Michael Ziegler
Still-Leben
12. Dezember 2025 – 15. März 2026
Den „Still-Leben“ von Michael Ziegler widmet KiS – Kunst in Seefeld seine Winterausstellung 2025/2026. Im Mittelpunkt der Schau in der Alten Feuerwehrhalle stehen zarte Blumenbilder. Stilleben aus verschiedenen Schaffensperioden ergänzen die Schau.
Michael Ziegler ist Maler, Zeichner und Fotograf. Er arbeitet in Serien und Zyklen, die immer wieder aufgegriffen werden. Da gibt es die Landschaften, die Stillleben, die liegenden Figuren, die Zeichnungen, die sich mit der Kunst der Vergangenheit beschäftigen, die Reihe „Von Dir zu mir“, die sich mit den Bildwelten des Nahen und Fernen Ostens auseinandersetzt. Die Blumenstillleben bilden eine weitere Gruppe.
Man könnte den Entstehungsprozess der Blumenbilder in zarten Wasserfarben „vielleicht auch als sinnlich, ja erotisch bezeichnen, das bedeutet für mich die für einen kurzen Moment in Schwebe gebrachte Gleichzeitigkeit von Nähe und Ferne“, sagt der Künstler. Diese Nähe und Ferne ist immer wieder der springende Punkt, auf den es in seiner Arbeit ankommt. Die Zeichnungen, Gemälde und Fotografien verharren, berührbar und doch flüchtig, in dieser Spannung, zwischen diesen beiden Polen.
„Es war für mich notwendig, einmal alles wegzuwischen“
Blumen als wiederkehrendes Motiv
Michael Ziegler wurde 1960 in Wels geboren und absolvierte seine Ausbildung an der Hochschule Mozarteum Salzburg bei Peter Prandstetter. Seit 1988 lebt und arbeitet er in Innsbruck. Schon früh entstanden einzelne Blumenbilder, doch erst seit einer längeren Arbeitspause 2020 nehmen sie einen größeren Raum in seinem Œuvre ein. In dieser Krise rührten drei Blumen auf einem Tisch an Existenzielles. „Damals dachte ich: Wenn ich die Augen schließe und denke, ich könnte noch ein Bild machen, dann ist es vielleicht dieses Blumenbild“, erzählt Ziegler. „Es war für mich notwendig, einmal alles wegzuwischen, reinen Tisch zu machen und dieses eine Bild zu malen. Ich hatte Feuer gefangen. Ein erstes Wasserfarbenblatt entstand, 15 weitere Blumenstillleben folgten in den nächsten Wochen.“ Auch wenn er sich seither wieder anderen Werkserien zugewandt hat, kehrt er immer wieder zum Motiv der Blumen zurück. Insgesamt entstanden bisher rund fünfzig Blumenstillleben auf Papier.
Von der Zeichnung zur Malerei
Das Schwebende, Leichte kommt mit Wasserfarbe aufs Papier
Blumen werden zusammengetragen, ausgewählt und in einer Vase oder einem Glas arrangiert. Wie in vielen seiner Arbeiten steht auch hier die Zeichnung am Beginn. Mit Bleistift auf Papier hält er nicht nur Blumen, sondern auch Stillleben fest oder fertigt Skizzen für Fotoarbeiten an. In einem mehrstufigen Prozess werden die Zeichnungen Schritt für Schritt reduzierter und konzentrierter, immer wieder neu überdacht. Dann kommt die Farbe hinzu: im Fall der Blumenbilder Wasserfarben, Gouache auf Papier.
David LaChapelle ist ein Künstler, den ich so nicht kannte, bevor Rafael Jablonka mich fragte, ob ich diese Ausstellung eröffnen möchte. Nach der Beschäftigung mit ihm und diesem Werk muss ich sagen: Für mich ist er einer der großen, einer der größten Künstler unserer Zeit.
Er wurde katholisch sozialisiert wie so viele Künstler, zum Beispiel Andy Warhol. Später wandten sich dann viele, auch LaChapelle, von der Religion ab. Geblieben ist aber die Sehnsucht Bilder zu produzieren, die dem Katholizismus eigen ist. Genau das tut David LaChapelle, es scheint, als ob er mit diesem Zyklus die Bibel selbst gestalten wollte.
Man kann mit dem christlichen Gedanken einen Haufen Moral bringen oder einfach eine Stimme im rechten Augenblick, die sagt „das kannst du nicht machen“. Das hält die Polizisten im Bild ‚Intervention‘ von ihrem Tun ab.
LaChapelle macht keine katholische Propaganda, sondern er zeigt Menschen, die sich selbst in die Freiheit setzen. Sie tun es, weil sie es können. Deshalb gehören für mich diese Bilder zu den grandiosesten dieses Genres.
Ein Haus mit verschiedenen Zimmern
Neben den Blumenbildern gibt „Still-Leben“ Einblick in andere Werkgruppen Michael Zieglers
Im Vordergrund leuchten einzelne Blüten oder ein bunter Strauß, der Hintergrund ist oft nur angedeutet. „Dieses ganz Leichte, Schwerelose, Schwebende, Skizzenhafte kann ich eigentlich nur mit Wasserfarben erreichen“, sagt er.Neben den Blumenbildern zeigt KiS – Kunst in Seefeld einige ausgewählte Stillleben aus verschiedenen Schaffensphasen Michael Zieglers. Er verwendet dafür etwas Gefundenes wie eine Spielkarte, Früchte oder Gefäße, zufällig im Atelier gestrandete Gegenstände. Die Dinge beginnen zu sprechen, es entwickelt sich eine Geschichte, erst dann entsteht eine erste Skizze. Erst nach einem längeren Arbeitsprozess steht die endgültige Komposition fest. Für die Ausstellung in der Alten Feuerwehrhalle wählte Kurator Rafael Jablonka Stillleben Zieglers aus, die über einzelne Motive wie eine oder mehrere Kirschen miteinander in Verbindung stehen. Sie bilden mit den Blumenbildern und allen anderen Werkgruppen Zieglers ein größeres Ganzes. Sein Werk sei „so etwas wie ein Haus“, sagt der Künstler. „Es hat verschiedene Stockwerke, verschiedene Zimmer und verschiedene Ausblicke.“ So gibt es auch stilistisch im Werk von Michael Ziegler eine große Bandbreite: von realistischen Bildern bis hin zum Abstrakten.